Christian Naujoks - Untitled

Ich glaube, an diesem Album findet jeder Momente, die einem so richtig auf die Nerven gehen. Mir zum Beispiel »Bloom« und noch schlimmer »Baby blue«. Schrecklich. Dieses verpitchte Rumgesoule und dieses irre Gitarrengeschrammel. Will ich nicht hören. Nein, Sir.

Aber – Scheiße! – vielleicht muss ein gutes Album auch nerven können. Soweit hat er mich schon, der Herr Naujoks, mit seinem unbetitelten Album auf Dial. Nämlich sind da auch die mir unerklärlich tollen Momente. »Off the Rose« zum Beispiel, ein verrauschtes Cover von New Orders »Leave Me Alone« mit minimalistischer Pianobegleitung und verzerrtem, billigem, aber unheimlich engagiertem Gesang. Spitze auch »Bar 27« mit seiner hallenden Spacepianomelodie, die mich eventuell nur angenehm an Aphex‘ letzte Experimente mit diesem Instrument erinnert. Ich weiß es nicht, aber alleine diese Verwirrung ist schon großartig, und ich höre es gerne.

Alles ist geisterhaft unnahbar und trotzdem hobbymässig intim. Klassische repetative Minimal Music kuschelt mit schnoddriger New-Wave-Attitüde. Das passt alles nicht so recht zusammen und klingt doch überraschend konsequent. Ein Album, das einen wünschen lässt, alle Popmusik könnte so verschroben sein, so experimentell, vernünftig hassenswert manchmal, aber eben auch anziehend einfach und an vielen Stellen nur angenehm schön zu hören. Ein ganz komisches Ding und letztendlich ziemlich super.