Zeichen
Dem Zeichen könnte kaum eine grundsätzlichere Bedeutung zukommen. Die Zeichentheorien Peirce‘ und Saussures haben der Moderne gezeigt, wie Zeichen und eigentlich alles immer auch Differenz ist, dass es nichts gibt außer Unterschieden, zumindest nichts, was wir denken oder sagen könnten. Nebenbei ist das Zeichen die Wiege des Strukturalismus. Und auch schon dem althochdeutschen «Zeihhan» liegt immer etwas Wunderhaftes und Übernatürliches zugrunde. Zeichen sind Zeichen von den Göttern. Wir sehen schon, auch ohne jetzt noch die Antike zu bemühen: Zeichen sind super und - wäre das nicht die logische Schlussfolgerung? - etwas Schützenswertes.
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee glaubt das nicht. Er will Zeichen verschwinden lassen, genauer Verkehrszeichen. Anstatt die Zeichenvielfalt in Deutschland zu bewahren und zu fördern, will der Minister Anfang nächsten Jahres 22 Verkehrszeichen abzuschaffen. Zum Beispiel das weithin beliebte Schneeflocken-Warnschild. Mag nicht jeder Schneeflocken? Wir freuen uns außerdem auf die Klagen zahlreicher SUV-Piloten, die in vollstem Vertrauen auf ihr Navigationssystem und schlecht vorbereitet durch fehlende Warnschilder (vgl. Bild) ihren praktischen Panzer in ein nahgelegenes Gewässer parken werden. Aber es gibt auch Hoffnung: 2009 kommen nämlich auch neun neue Verkehrszeichen.