Langsame Musik
Unterwegs Musikhören ist spitze. Zwar weiß man nicht immer, wer hinter einem steht, dafür ist aber auch vieles andere anders. Bewiesen hat uns das gestern Deaf Centers «Vintage Well» und Svarte Greiners «Til Seters». Zweimal drei Tracks aus Filmen, die es glücklicherweise nicht gibt, denn so können sich die tiefschwarzen Flächen von Erik Knive Skodvin und Otto A. Totland seelenruhig auf unser Unterwegssein legen.
Langsamer macht diese Musik die Welt, aber auch verdächtig, so als stünde etwas bevor. Vielleicht ist es die loop-artige Struktur (vor allem bei «Vintage Well»), die gleichzeitig anhält und ankündigt. In jeden Fall entsteht ein Rhythmus, der das Ganze spannend macht. Bekannte und geliebte Deaf-Center-Styles, die auch Neues zu bieten haben, gerade Gitarren. Der zweite Track auf «Vintage Well», «Ashes», ist dagegen eher langweilig. Dafür kommt in «Close» das Piano zurück und zwar so versteckt hinter seinem eigenen Echo, dass es sich dadurch erst ausbreiteten und in die Länge ziehen kann, wie nichts gutes. Super.
In seinem Soloprojekt «Svarte Greiner» kümmert sich Erik Skodvin ein bisschen weniger um die Melancholie und ein bisschen mehr um den Grusel. In «Til Seters» kratzt und zerrt es mehr und alles wirkt eingegrabener. Die Tracks können sich hier mehr Zeit nehmen als auf der kleinen 7“ von «Vintage Well». So dauert «Baandspiller I Solnedgang» dann auch über neun Minuten, in denen es brummen und wabern kann, bis später noch eine verzerrte Stimme dazukommt, die klingen wie ein Anruf aus der Geisterwelt auf ein kaputtes Telefon. Die beiden ersten Tracks konzentrieren sich auf Strings und das sehr verschieden, aber immer unheimlich. Insgesamt zwei mächtige Releases zur persönlichen Zeitkontrolle, zuhause und für unterwegs.