Lesen ist Schreiben ist Lesen ist Bloggen

Ich habe 2007 angefangen ins Internet reinzuschreiben. Und damit ihr nicht merkt, was ich für ein late adopter bin, schreibe ich hier nicht gleich: Ich habe angefangen zu bloggen. Das Internet bietet immer leichtere Möglichkeiten des Veröffentlichens, des Kommentierens, des Schreibens und des Lesens an; und für all das hat sich eben gerade im Bloggen eine erfolgreich funktionierende Technik und Semantik gefunden. Und ich hab jetzt auch sie gefunden.

Für mich sind dabei vor allem Lesen und Schreiben neu zusammengerückt. Das Lesen im Internet kann relativ leicht - und doch über bloßes Kommentieren hinausgehend - mit Schreiben im eigenen Blog ergänzt und fortgesetzt werden. Mehr noch: Auch wenn das Lesen für sich schon ein hoch produktives Verfahren ist (gerade im Hypertext), stellt Schreiben doch ganz andere Anforderungen an die eigenen Gedanken. Ich merke oft erst beim Versuch etwas aufzuschreiben, wie ungeeignet meine Gedanken erstmal für die Kommunikation sind und wie beschränkend die Kommunikation wirkt auf das, was ich sagen will: Alles muss ich nacheinander sagen, ich darf nicht allzu sehr abschweifen und ich kann nicht allen Verweisen so nachgehen, wie es Gedankengänge meistens verlangen würden. Ein riesen Haufen stilistischer Schwierigkeiten kommt dazu.

Will sagen: Schreiben ist immer auch ein Konsistenztest für das eigene Denken und Bloggen ist eine leichte und freie Form des Schreibens. Hier sehe ich auch die Spezialität gebloggter Kommunikation: Vielmehr als anderswo funktionieren Blogs als Kopplungspunkt persönlicher Gedanken und öffentlicher Kommunikationen. Zumindest lese ich am liebsten die Blogs, die zwar öffentliche Nachrichten behandeln, das aber in persönlicher Form tun. Das geht genauso umgekehrt. Lesen ist Schreiben ist Bloggen.

[Der Text ist schon am 31.12.2007 in der Berliner Gazette erschienen, weshalb er weder neu, noch zukünftig ist]