Texte täuschen
“Luat enier Sidtue an eienr elgnhcsien Uvrsnäiett, ist es eagl in wcheler Rhnfgeeloie die Bstuchbän in eniem Wrot agnoredent snid. […] Das legit daarn, dsas wir nhcit jeednn Bstuchbän äilln lseen, srednon Wrote als Gzanes.”Der kleine Text hier scheint zu funktionieren wie eine optische Täuschung. Wir kompensieren irgendwie das, was erfahrungsgemäss fehlt, falsch oder erwartbar ist. Optische Täuschungen kennt - glaube ich - doch jeder, aber “linguistische Täuschungen” sind neu - mir zumindest. Oder ist die textförmige Täuschung verbreiteter, als man meinen könnte?
Mindestens seltsam, dass gerade beim Lesen Kompensation und Täuschung zusammenkommen. Ich denke, gerade das macht Lesen spannend und Texte damit zu so faszinierenden Objekten. Und nicht nur das Lesen selbst kann deshalb so fesselnd sein. Man kann ausserdem nach dem Lesen andere fragen, wie sie vom selben Text anders getäuscht worden sind. Das können so nicht mal optische Täuschungen. Klingt nach einem riesen Spass. Mach ich mal. Ach, ihr habt schon? Und, wie war es?
Bild von hier.
[Dieser Text ist ursprünglich am 26.10.2007 in der Berliner Gazette erschienen.]