Kommentar

Mehr als ein Jahre gibt es das Klog von Sascha Lobo, in dem er alle seine in Blogs abgegebenen Kommentare sammeln lässt. Damit dadurch “die Welt kommentierbarer” wird, kann man seine Kommentare dort auch kommentieren. Toll, hat uns sofort überzeugt – nicht nur weil “das beste an sascha lobo” seine Kommentare sein sollen. Wir hab sogar irgendwo gelesen, dass adical kommentierbare Werbebanner plant. Lobo und Häusler scheinen Kommentare zu mögen. Sie sind aber auch super – also die Kommentare, außerdem verbreiteter als man denken könnte: Wir meinen, viele Blogs sind selbst schon das, was im klassischen Journalismus als Kommentar ausgewiesen ist. Sie sind meinungshaltig, persönlich und sie akzentuieren Themen. Kommentierbar sind Blogs auch, zumindest die meisten.

 

Sicher nicht alle Blogs, aber doch alle Kommentare sind Reaktionen. Reaktionen auf Nachrichten und Neuigkeiten der Medien. Niemand würde die Schwerkraft kommentieren. Niemand kommentiert bloße Daten. Nur Kommunikation ist kommentierbar. Sind Kommentare in Zeitung und Fernsehen klar gekennzeichnet und abgegrenzt, ist es in Blogs erwartbar – mindestens nicht überraschend – wenn dort auch kommentiert wird. Traditionelle Nachrichten tun so, als ob ihre Nachrichtenauswahl vollkommen objektiv sein könnte – trotzdem erfahren wir nicht überall etwas über junge Eisbären. Durch Kommentare können die Medien ihre eigenen Produkte noch einmal besehen und überprüfen, in unterschiedliche Richtungen korrigieren, konkretisieren oder differenzieren. Die Medien können Nachrichten in Kommentaren spiegeln und dabei vielleicht sogar den Spiegel selbst bemerken und sehen, wie jede Nachricht, wie jede Information immer nur  Auswahl und Ausschnitt sein kann.

Bild von Laughing Squid.

[Der Text ist ursprünglich am 06.02.2008 in der Berliner Gazette erschienen. Außerdem total blöd, dass hier (noch) niemand kommentieren kann]

[Nachtrag 110308: Jetzt kann hier auch kommentiert werden!]